Das Ende vom „kostenlosen“ Google Traffic

Google zeigt seit März 2016„above the fold“ 4 HPA-Anzeigen und nur noch 2 organische Ergebnisse.  Dennoch tuen alle (SEOs) so, als wenn keiner den rosa Elefanten bemerkt hat.
Don Draper aus Mad Men

Don Draper wusste es schon immer, jetzt lernen es auch die Google-Suchmaschinen-Nutzer und vor allem die SEOs:

TANSTAAFL!

(Anm. d. Verf: Auflösung am Ende des Artikels 😉)

Alphabet hat – wieder einmal – etwas für seine Aktionäre getan und zugleich zum großen Schlag gegen Leecher, Trittbrettfahrer und gegen alle Suchmaschinenoptimierer ausgeholt.

Der „kostenlose“ organische Traffic durch Suchmaschinenoptimierung dürfte durch die jüngsten Veränderungen in den Google-Ergebnisseiten rapide zurückgehen. Aber auch diejenigen, die mit AdWords-Anzeigen auf der rechten Seite der Ergebnisseite zwar Impressionen, aber kaum Klicks erzeugten, dürften Sichtbarkeit verloren haben.

Google hat die Anzahl der sogenannten HPA-Anzeigen (High Performance Anzeigen) über den organischen Ergebnissen von 3 auf 4 erhöht. Da nicht nur einige HPA-Anzeigen Sitelinks enthalten, sondern auch Google Maps oft sehr prominent in den TOP-Ergebnis-Bereich angezeigt wird, rutschen bei sehr vielen Keywords die organischen Ergebnisse so weit nach unten, dass bei mittleren Desktop-Bildschirm-Auflösungen davon nur noch etwa 2-3 Snippets zu sehen sind.

Im Scroll-Bereich darunter befinden sich zwar noch die übrigen 7-8 organischen Ergebnisse (darunter dann noch mal 3 Anzeigen!).

Aber wie wir alle wissen aus einer Vielzahl von Traffic-Auswertungen, erhalten diese nur sehr wenige Klicks von den Suchenden, weil nur etwa jeder Vierte überhaupt scrollt.

Die Suchergebnisseite 1 von Google zum Keyword Online Marketing Agentur
Rot markiert: AdWords Anzeigen – grün markiert: organische Ergebnisse 

Lohnt sich denn SEO überhaupt noch?

Der Schlag trifft eine angeschlagene, umstrittene, heterogene und illustre Branche.

Mittlerweile setzen die meisten Website-Betreiber mehr oder weniger professionelle SEO-Tools oder zumindest SEO-Plugins wie das in WordPress-Websites verbreitete Yoast ein und bei vielen Unternehmen im Online Marketing wird strategisches Content Marketing als Teil einer Keyword- und damit SEO-Strategie genutzt.

Manchen bescheidenen Erfolgen stehen meist noch bescheidenere Anstrengungen gegenüber – es herrscht vielfach die Auffassung vor, dass mit sehr geringen Budgets von 200-500 € / Monat ernsthaft und erfolgreich SEO betrieben werden kann. („SEO auf 450 €-Basis oder Freelancer gesucht.“)

Dabei sind die Zeiten, in denen mit ein paar SEO-Tricks, ein paar gekauften Links, und wenig Aufwand nennenswert organischer Traffic erzeugt werden konnte, – gefühlt – min.  10 Jahre vorbei.

Selbst die „Content is King Kong Marketing“- Juhu-Schreie sind längst verhallt, denen vereinzelte Content Marketing – Selbstversuche folgten.

Diejenigen, die damit beachtlichen Erfolg hatten, haben das meist schön für sich behalten, der Rest übt immer noch richtiges Texten und analysiert rauf und runter mit WDF/IDF. (…und immer schön Nominalstil vermeiden…;-))

SEO-Traffic ist durch die radikale Aktion von Google mithin noch wertvoller geworden? Ja, zumindest auch seltener.

Hat Google jetzt aber womöglich das Rad für viele Suchende überdreht?
Wollen die User wirklich mehr bezahlte Anzeigen, oder präferieren sie eigentlich die organischen Ergebnisse?

AdBlocker Plus als Antwort auf Google-Anzeigen

Google verdient also offensichtlich (immer) noch nicht genug mit AdWords und das Management sah sich veranlasst, den Gewinn weiter zu erhöhen durch diese Maßnahmen.

Es könnte sein, dass diese Rechnung nicht aufgeht, denn die Webnutzer wehren sich zunehmend gegen die Werbung, die von den eigentlich gewünschten Inhalten ablenkt: Mit AdBlockern wie AdBlockPlus ist auch die Suchergebnisseite von Google wieder werbefrei.

Google kennt es schon von Youtube, dort hat der überwiegende Teil des jugendlichen Publikums längst jegliche Werbung verbannt durch Installation des AdBlockers.

Schlimmer noch, durch die anziehenden HPA-Anzeigenpreise könnten sich zahlreiche Google-AdWords-Kunden veranlasst sehen, Budgets in Richtung SEO und Facebook umzuschichten.  Einfache Überlegung: Wenn die Kosten pro Konversion bei AdWords um 40% anziehen und jetzt bereits knapp über den organischen Konversionskosten liegen, macht das durchaus Sinn. Oder E-Mail Marketing, oder gar Social Selling mit LinkedIn? (Microsoft, Du machst in letzter Zeit alles richtig, hast Du etwa einen neuen Chef? ;-))

Am Ende könnte es also sein, dass Google sogar viel Geld verliert mit der Maßnahme, weil durch weniger Impressionen und Klicks schließlich sogar die Werbe-Umsätze sinken.

Google kopiert Facebook

Facebook ist bisher der Gewinner im mobilen Anzeigengeschäft und der ganz große Gewinner der letzten Jahre. Der Angstgegner von Alphabet –  das Social Network wächst immer schneller.

So lieferte Facebook das Vorbild für die organische „Diät“. Facebook hat nämlich seit 3 Jahren konsequent die organische Reichweite für Firmenseiten (Fanpages) immer mehr eingeschränkt. Die werbetreibende Kundschaft, die großen Brands akzeptieren das klaglos – im Werbegeschäft gibt es keine „kostenlose“ Reichweite.

Dort hat niemand etwas zu verschenken, kostenlose Reichweite gibt es allenfalls als Einführungsangebot.
Und Agenturen und deren Kunden sind es auch, die aus eigener Erfahrung wissen:

TANSTAAFL – There ain’t no such thing as a free lunch…

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