Google ist nicht mehr das Maß aller Dinge – auch nicht für SEO

T-Rex ist immer für eine Überraschung gut (c) @Osnuflaz auf Instagram

Das Ende des T-Rex – der Dinosaurier Google wird immer grösser und unheimlicher

Eine kleine Technik-Evolutions-Nachtgeschichte, erzählt vom Märchen-Onkel Michael Zachrau

Was die Dinosaurier nun letztlich gekillt hat in der Evolution, darüber wird auch heute immer noch gerätselt. Es gibt ein paar plausible Theorien.
Aber die Tatsache selbst, dass selbst der aggressivste Saurier, der T-Rex, nicht überlebt hat, ist unbestreitbar.
Google ist heute der Tyrannosaurus Rex der Suchmaschinen und Verzeichnisanbieter und es könnte sein, dass wegen diesem Buzz -Akronym SoLoMo nur seine kleinen und wendigen Brüder, die Echsen und Krokodile überleben werden.
Disruption trifft auch gelegentlich die Grossen, vor allem wenn diese gleichermaßen glücklos wie aggressiv agieren.

Na ja, noch kann sich alphabet rühmen, mit Google die größte Suchmaschine der Welt zu betreiben. Und die zweitgrößte noch dazu mit Youtube.

Und fette (Quasi-)Monopol-Gewinne einstreichen.

In Europa sogar weitgehendst unversteuert, so macht man das.

So blöd sind wir Europäer halt. Und jetzt ist die Marke Google sogar noch wertvoller als die von Apple. Glückwunsch, Congratulations. Und jetzt bezeichnete sogar der (noch 2015 durchaus sehr kritische) Scott Galloway, DER Marketing Professor aus NYC, Google als ‚Gott‘.

Was hat alphabet diesem prophetischen Mann zahlen müssen, damit er vollständig widerruft? 😉

Aber das Ende der Ära der monolithischen Suchmaschinen ist nah, der Zenit längst überschritten. Wenn die Gewinne erst wie Butter in der Sonne schmelzen, werden sich die verwöhnten Aktionäre von Google sich die Augen reiben.

Kurz gesagt: Das Internet ist (noch) erwachsen(er) geworden.

Wer sagt so was?

Ich.

Und ich weiß es von den Vögeln, die zwitschern es von den Dächern. Und von den Amis, die sind nämlich schon 2-3 Jahre weiter.

Gesucht und gefunden wird mittlerweile woanders

Immer öfter wird Mama Google nicht mehr gefragt.

(Wovon Google-Alternativen kaum profitieren konnten.)

Nicht bei Reisen, Hotels, Restaurants, Büchern, Mode, Autos, Wohnungen, Häusern, Personal.

Wer ein Ferienwohnung buchen will, den Partner fürs Leben sucht oder sein gebrauchtes Auto verkaufen möchte, wird das eher nicht auf Google anstellen.

Denn die Nutzer wissen, das sie die eigentlichen Angebote und Anbieter am besten bei den spezialisierten Vergleichsportalen wie fewo-direkt oder noch besser airbnb, Parship oder Autoscout24 finden. Auch wenn es Google nicht gefällt: die Suchmaschine weist oft nur noch den Weg zu den relevantesten Portalen. Und Google hat im April 2016 aufgegeben, selbst Vergleichsportal zu spielen.
Darauf kommen wir später noch mal zurück.

Google zeigt in der Regel zwar interessante Suchergebnisse, aber höchst selten direkt das passende Angebot oder auch nur einen Anbieter. Sondern Portale, weitere Suchmaschinen also, die hochspezialisiert sind auf Ihre Klientel.

Und darauf hat Google kaum Zugriff, wenn überhaupt.

Und auch wer Informationen zu einem potentiellen Arbeitgeber recherchiert oder Entscheider und Beeinflusser im B2B-Geschäft sucht, wird auch nicht über Google gehen. Sondern über LinkedIn (Pardon: Microsoft!!) und XING.

Wer Interim Manager sucht, wird eher beim Marktplatz UnitedInterim fündig, wer SAP-Berater sucht bei biber-associates.

Google geht es ein klein wenig wie dem großen Warenhaus, es bietet irgendwie alles, aber nichts richtig. So ist Karstadt zu Grunde gegangen, Galeria Kaufhof hat es irgendwie noch geschafft, sich über die Zeit zu retten, aber längst sind spezialisierte Retail-Ketten die dominanten Player geworden.

Und wenn Google direkt die Angebote in den Suchergebnissen präsentiert, sind organische Ergebnisse kaum mehr von bezahlten Listings zu unterscheiden. Letzteren mißtrauen wir, ebenso wie den zusammengelogenen Beurteilungs-Sternen. Objektivität ist nicht käuflich per Anzeige – so werden Hinterwäldler und Deppen geworben – Google ist vor der Jahrtausendwende irgendwie anders angetreten.

Google will auch mobil suchen, nur wir nicht – mit Google

Um überhaupt all die Vergleichsportale und Marktplätze zu finden, wird Google von Suchenden gebraucht, vor allem von denen, die noch nicht orientiert sind und sich noch nicht so auskennen in Ihrem Such-Bereich.

Wenn also der Hausmann keinen Nagel gerade in die Wand bekommt, ohne sich dabei den Daumen zu verletzen, wird er bei Google nach Handwerkerleistungen suchen und findet z.B. das Portal myhammer oder selfio.

Und danach ist der Suchende für Google wieder verloren. Genauso ergeht es Google, wenn der Profi-Sucher schon eine App von dem Portal auf seinem Smartphone nutzt. Wer etwa im Frühjahr nach einem gebrauchten Cabrio sucht, wird dies sehr komfortabel in der App von auto24.de tun.

Und Google sieht wieder nur Rücklichter.

Wer das mal ein klein wenig weiter denkt, stellt fest, dass der Trend zur App, zum Smartphone auch ein Trend weg von der guten alten Suchmaschine Google ist.

Deshalb tut Google (fast) alles, um mobil medien-relevant zu werden, s. Google AMP.
Es wird wohl nicht reichen, denn die Nutzer greifen immer öfter direkt zur App.

Google agiert glücklos und aggressiv

Google erodieren die Umsätze, der Anfang vom Ende des Zeitalters der Suchmaschine hat schon begonnen. Dabei wirkt der MegaTrend SoLoMo – also Social Local Mobile – und dies ist wirklich ein Gamechanger. Da hat Google bisher noch kaum Antworten gefunden.

Aber es kommt noch schlimmer:

Google missbraucht seine marktbeherrschende Stellung und macht den bestrankenden Seiten bei der Produktsuche mit seinem eigenen Preisvergleichsdienst Konkurrenz.

Wobei Searchmetrics das in einer kleinen Untersuchung (Studie Google vs. EU) ganz genau analysiert hat und die Aussagen der EU-Kommission zwar für etwas generalisierend hält, aber diese letztlich eindrucksvoll bestätigt:

Google Shopping and Rivals
SERP Integration Study: Google Shopping © Searchmetrics, 2017

Zu Recht und exzellent mit Zahlen untermauert, verweist Searchmetrics auf den Umstand, dass auch Amazon und eBay lokale Preisvergleichsseiten verdrängt haben.

 

Die EU-Kommission hat Google wegen eine Wettbewerbsstrafe von 2,42 Milliarden Euro auferlegt – das ist mit Abstand die höchste bisher verhängte Strafe. Und es geht noch weiter.

Die EU-Kommission verlangt darüber hinaus, dass Google das beanstandete Verhalten innerhalb von 3 Monaten Tagen abstellt. Sonst drohen Zwangsgelder von bis zu 5% des weltweiten Tagesumsatzes.

Das Verfahren ist nur eines von dreien, in denen Google derzeit von der EU-Kommission in die Zange genommen wird.

In einem weiteren Verfahren geht es um AdSense for Search“, über den Betreiber von Websites Google-Suchmasken in ihre Angebot einbinden können. 

Im dritten Verfahren geht es um das Smartphone-System Android von Google.

Google ist überhaupt schlecht aufgestellt im Vergleich zu Apple, Amazon und Facebook, wie Scott Galloway von NVU Stern auf der DLDConference Anfang 2015 bereits feststellte.

Das ist Google selbst auch schon aufgefallen, die neue Holding alphabet ändert daran aber wenig:

So enttäuscht Nest, von dem sich der Gründer verabschiedete und auch Boston Dynamics, erst für Milliarden gekauft, steht schon wieder zum Verkauf.

Aber Google hat doch ein Vergleichstool und sogar Affiliate Network usw. werden einige einwenden.
Ja, schon, aber leider hat Alphabet das „compare tool“ im April 2016 eingestellt, da es nicht geschafft hat, genug Umsatz zu generieren, um seine Position im Anzeigenplatz zu rechtfertigen. Comparison shopping hat offenbar nicht funktioniert für Google.
Wie vor 3 Jahren Affiliate Network Marketing.

Bei Alphabet wird alles an den Zahlen von AdWords gemessen. Das ist doch smart, oder?

Leider ist in der Technikgeschichte auch öfters die Innovation gescheitert an erfolgreichen Cash Cows.
Das legendärste Beispiel lieferte Rank Xerox, die in Ihren Labors (PARC) in den 70er Jahren bereits vernetzbare PCs mit grafischen Benutzeroberflächen und Mäusen serienreif entwickelt hatten, deren Manager aber lieber hochprofitable Büro-Kopierer verkauften.

Ein gewisser Steve Jobs war damals einer der staunenden Besucher im PARC, der sich dort wesentliche Anregungen holte. Aber das ist eine andere Geschichte und aus dem Radio klingt das Lied: „Don’t know much about history…“ 

Google+ und die das Brillchen waren Megaflops, Android ist ein nettes Etikett aber kein echtes Asset, es bietet weder eine durchgängige Komfort-Plattform wie Apple mit iOS, noch besitzt es einen großen Wert über den reinen Marktzugang (Search spielt eine untergeordnete Rolle auf Smartphones und Google Play ist Kleinvieh) hinaus und bei Local sträuben sich bei den Händlern die Nackenhaare, wenn Google das 24. Mal sich umorganisiert bei StreetView, Local Guides, Business View und Maps.

Das Chaos in diesem Bereich ist dem Umstand geschuldet, dass die Super-Nerds im Googleplex wie selbstverständlich davon ausgehen, dass andere kostenlos gerne für Google die lokalen Klinkenputzer spielen und diesen kann man dann gerne auch mal ganz alleine lassen. Der Support jedenfalls ist unter aller Kanone.

Dass Google Maps, Google Drive, Gmail und viele andere Dienste nützlich sind, wird niemand bestreiten, aber Google lässt eine kohärente Strategie oder gar eine überzeugende Vision vermissen und lässt allzu oft gerade erst gestartete oder gut eingeführte Dienste fallen – phantasie- und gnadenlos, wie HAL.

Im Vergleich mit Musk, Zuckerberg oder Bezos zeigt die Google-Führung in den letzten 6 Jahren große Schwächen. Obwohl die Gründer das Steuer wieder übernommen haben und angeblich Revolutionen ausgerufen haben.

Was sagt die Börse?

Und wenn womöglich erst mal die AdWords-Kunden realisieren, dass für weniger Suchende deutlich  höhere Klickpreise zu zahlen sind, wird sich der Trend weg von der Suchmaschine noch verstärken. Es muss nicht so schlimm kommen, wie Karl Kratz orakelt, aber es könnte schon Nokia-Dimensionen haben.

Das letzte Quartal war jedenfalls sehr enttäuschend für die Aktionäre von alphabet und auch die „other bets“ wie Boston Dynamics oder Nest machten nur negative Schlagzeilen. Der fortgesetzte Verfall der  Klickpreise bei Google AdWords hat nicht nur die Befürchtungen der Analysten bestätigt, sondern auch das Management 2016 zu einem radikalen Umbau der Suchergebnisseiten der Google Suchmaschine veranlasst. (Bald keine organischen Ergebnisse mehr bei Google?)

Und was machen jetzt alle Putzerfische, ähh, SEOs?

Daher empfehle ich allen, die sich mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigen (das sind diejenigen, die Websites so lange optimieren, bis sie Google gefallen), schon einmal sich ein wenig neu zu orientieren:
Auf die Optimierung der Listungen in den Vergleichsportalen und Marktplätzen und auf Social Media Optimierung, (Anm. d. Verf. …jedenfalls weg von Google oder Facebook „pure“, wie es zuletzt auch Olaf Kopp mit seinem neuesten sehr lesenswerten Artikel über Online-Marketing mit und ohne Google sehr schön bestätigt.)

Und, – man kann ja nie wissen, wofür man es später mal braucht, -auf Konversionsoptimierung, eher bekannt auf neudeutsch unter dem Akronym CRO für Conversion Rate Optimization.
Und da ist ja noch jede Menge Arbeit und Luft nach oben.

Einige haben das schon als neuen Markt entdeckt, so wie Johannes Beus von Sistrix. Der will erkannt haben, dass E-Commerce-Suchen keine Stärke von Google sind. Ist ja unerhört und ein Glück, dann bin ich also schon mal nicht der einzige, der das behauptet.

Und baut dann ein Tool zur Optimierung der Amazon-Suche. Gut der Mann, während wir noch quasseln und herumheulen, dass Google uns nicht mehr lieb hat, baut der schon an seiner nächsten Cash Cow und schluckt Seolytics. (Wieso hat Searchmetrics die eigentlich nicht gekauft? Na, das ist aber jetzt ein ganz anderes Thema, da kommen wir sicher noch drauf zurück;-))

In der zunehmenden Nischenbildung und Fragmentierung des Suchmarktes werden sich noch viele neue Betreiber von as-a-service Plattformen tummeln.

Für diese wird auch ein Platz bei Google zukünftig noch so wertvoll sein, dass sie professionell Suchmaschinenoptimierung für Google betreiben werden. Also müssen nicht alle SEOs bangen, dass Mama gleich ganz verschwindet, – Ihr könnt Euch in Ruhe abnabeln.

Ob auch Markenartikler zukünftig verstärkt SEO betreiben werden, hängt davon ab, wie stark Google Brands in seinem Algorithmus gewichtet.
Stand 2017 bevorzugt Google die Marken sehr stark und hält Blogs für irrelevant.

Eine 180° Wende, denn Google hat früher Blogs geliebt, aber da war Matt Cutts noch oberster Spam-Beauftragter und noch nicht im Dauer-Sabbatical…

Es gab sogar – viele werden es noch wissen, eine Extra Such-Rubrik Blog, neben Video, Bilder, News und Maps – bis irgendein Google-Nerd in der donnerstäglichen Search-Conference bemerkt hat, dass die Masse keine Blogs liest. Sondern Bildzeitung und HuffPost.

Motto: „Ist das Kunst oder kann das weg?“. Dann wurde beschlossen Blog-Search zu killen.

So könnte es jedenfalls gewesen sein.

Das werden viele Blogger Google sicher nie verzeihen, aber so ist Google nun mal – „not evil, but without empathy“.

Und wenn sie nicht gestorben wärn, dann lebten sie noch heute.

Was meint Ihr denn so?

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